Wer unter den weiblichen Lesern schon einmal das Land am Nil besucht hat, hat mit Sicherheit die, äh, geringe Scheu des ägyptischen Mannes gegenüber aus- und inländischen Frauen kennengelernt. Sicherlich könnte man dies als Zeichen von Weltoffenheit und als Beitrag für den Dialog der Geschlechter deuten, aber vielleicht gibt es doch andere Gründe:
Die Studie des Ägyptischen Zentrums für Frauenrechte ergab, dass 83 Prozent der befragten Ägypterinnen und 98 Prozent der Ausländerinnen angaben, dass sie sexuell belästigt würden. Und, noch beunruhigender: 62,4 Prozent der befragten Männer räumten ein, dass sie Frauen belästigten. Aus der Studie ging auch hervor, dass es egal war, wie die Frauen gekleidet waren. Von denen, die nach eigenen Angaben belästigt wurden, trug etwa ein Drittel ein Kopftuch und konservative Kleidung. Knapp 20 Prozent trugen sogar einen Schleier und hatten ihren Körper komplett verhüllt. Persönlich befragt wurden in Kairo und Umgebung 2.020 Ägypter, zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Außerdem wurden 109 Ausländerinnen befragt, die in Ägypten leben.
Die hohe Quote verweist auf fundamentale Probleme in der muslimischen Gesellschaft des Landes. Ägypterinnen klagen bislang selten darüber, belästigt worden zu sein, um öffentliches Aufsehen zu vermeiden und weil es das Ehrgefühl der Familie verletzen könnte.
Und hier den ganzen Artikel lesen. Übrigens argumentieren Muslime gerne, das Kopftuch würde “Schutz” gegen Belästigung bieten. Nun, die einzige Antwort darauf kann nur lauten: Bringt die Betatscher in den Knast, und nach wenigen Jahren sollten sich Frauen auch alleine auf Kairos oder Riyads oder Damaskus’ Straßen wagen können. Weshalb dort bloß niemand diese Idee äußert?